Von Großmäulern und Tiefstaplern

Ich bin ja hauptberufliche Kommunikateuse. Und als solche bestaune ich den FC Bayern München fast noch mehr als in meiner Zusatzfunktion als Fußballfan. Da werden vollmundig "Serien" angekündigt, weil man gegen einen Verein gewonnen hat, der sich unter den Meisterschaftskandidaten wähnte. Ich nahm an, damit seien Siegesserien gemeint. Offenbar ein Irrtum. Denn nach einer Niederlage gegen einen Verein, der immerhin in der Vorsaison Vizemeister wurde (Bayern München, um es an dieser Stelle noch einmal zu betonen, wurde lediglich Dritter), schrieb man nun die Meisterschaft ab. Bis nächste Woche nach einem 4:0 gegen Hoffenheim dann wieder alles in Ordnung ist? Oder hat man das Spiel in München bereits abgeschrieben, da es ja in der Hinrunde schon schief ging?

Gleichzeitig echauffiert sich die Journalisten- und Expertenschar darüber, dass Jürgen Klopp & der Rest der Dortmunder das "M-Wort" schon wieder nicht in den Mund nehmen will. Fast lustig gemacht wird sich über das System Tiefstapelei der Borussia. Dabei, seien wir doch mal ehrlich, ist diese Art der Kommunikation doch viel cleverer als die Extreme, zwischen denen Bayern München stetig hin und her pendelt. Dortmund kennt nur eine Kommunikationslinie: "Wir versuchen unser Bestes, wir haben Spaß am Spiel, manchmal klappt es, manchmal nicht." Wenn es mal nicht klappt, dann Mund abwischen und nächstes Mal wieder versuchen. Ausgegeben wird immer nur ein Minimalziel, und nicht gleich vollmundig das Triple. Wäre Dortmund München, dann wäre längst vom triumphalen Double und Titelverteidigung die Rede. Und zwar nicht nur in den Medien, sondern auch im Verein.

Dabei sind beide Extreme bei Bayern München einfach nur noch komisch anzuschauen. Siege hochjubeln, egal wie der Gegner spielte, und Niederlagen (bzw. gefühlte Niederlagen wie gegen Freiburg) überdramatisieren. Manchmal kommt mir Bayern vor wie ein Teenager mit seinen Stimmungsschwankungen. Als Fan dieses Vereins würde ich mir vor allem eins wünschen: Haltet doch einfach mal den Mund und arbeitet an eurem Fußballspiel.

So wie die in Dortmund halt.