Tore, Pfiffe, Schietwedder

Die magische erste Halbzeit gegen Hoffenheim erinnerte mich daran, dass ich die magischen 90 Minuten im Hamburger Volksparkstadion noch nicht verbloggt habe. Ein typischer Fall von Stadioneuphorie, die einen ein paar Tage beschäftigt - so sehr, dass man ganz vergisst, davon zu berichten.

Mein insgesamt 10. Stadionbesuch brachte zahlreiche neue Erkenntnisse und wie erwartet Halsschmerzen. Das Kratzen im Hals am nächsten Tag kam allerdings nicht von einer Erkältung, daran war das Singen schuld. Es gab doch so viel zu besingen. Ich kam irgendwann so durcheinander mit den Toren, dass ich beim Mitschreien des Spielstands nach dem Gegentor von Guerrero statt einer "5" eine "4" brüllte. HSV-Fan Kai beschwerte sich anschließend, dass die BVB-Fans "Einer geht noch" gesungen hatten. Aber hey, manchmal verdient man das auch nicht anders.

Kai gehörte übrigens mein Respekt des Spieltages. Wer als einziger HSV-Fan mit 7 BVB-Fans noch was Essen geht nach solch einer Niederlage, der hat mehr Mumm als die gesamte Hamburger Elf. Wir waren aber auch ganz lieb, hoffe ich. Ich hätte mir das bei umgekehrtem Spielstand wohl nicht angetan.

Zurück zum Spiel. Eigentlich kein Spiel, sondern ähnlich wie beim Hinrundenauftakt eine 90-Minütige Dortmund-Feier. Auf den Rängen jedoch anders als sonst, denn die Partie wurde offiziell bestreikt. Auf die Präsenz gelber Trikots hatte das kaum Auswirkungen. Ich haderte im Vorfeld kurz mit mir, aber das 55 Euro teure Ticket war offen gestanden für mich viel billiger als jede Fahrt nach Dortmund. Das wollte ich einfach nicht auslassen. So ging es einigen tausend BVB-Fans um mich herum und sieben aus unserer kleinen Hamburger BVB-Runde ebenfalls. Der Boykott war trotzdem spürbar: In der veränderten Zusammensetzung des Gästeblocks. Es fehlten die "Anheizer", Fangesänge waren unkoordinierter und weniger kreativ. Ich bin mir beispielsweise fast sicher, dass Marcel Schmelzer ein Geburtstagsständchen bekommen hätte, wenn mal jemand damit angefangen hätte. Den Boykott sehe ich mit sehr gemischten Gefühlen, da ich die Effizienz dieser Maßnahme gegen Ticketpreise bezweifle, so lange nur Gästefans zum Streik aufgerufen werden. Aber Respekt vor denen, die draußen dieses grandiose Spiel im strömenden Regen im Radio hörten, den hatte ich. Ich verspreche auch, mich zu späterem Zeitpunkt intensiver mit "Kein Zwanni" zu beschäftigen - organisierte Fankultur bleibt mir momentan noch fremd. Nachhilfe ist hier gerne gesehen. 

Eine weitere interessante Fan-Beobachtung auf der anderen Seite des Stadions: Die HSV-Fans zeigten ihren Unmut auf verschiedene Weise. Beißend sarkastisch, wie hier nach dem 1:5:

Durch Verlassen des Stadions ab dem vierten Dortmunder Treffer, wie hier recht deutlich sichtbar (es wurde noch leerer):

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Und natürlich durch Pfiffe. Damit ging es relativ schnell los und nur außerhalb der Nordtribüne, soweit ich das beurteilen konnte. Es war auch verdient für die unterirdisch spielenden Hamburger. Trotzdem finde ich Pfiffe gegen das eigene Team während des Spiels unfeine Fan-Art. Ausgepfiffen wurden beispielsweise Rückpässe - aber meine Güte, manchmal muss man halt das Spiel von hinten wieder in Ruhe aufbauen. Motivierend auf die Spieler wirkt das bestimmt nicht. Sinn des Stadionbesuchs sollte doch sein, dass Team nach vorne zu peitschen, egal wie es steht. Pfiffe finde ich, sorry, scheiße. Kann man nach dem Abpfiff immer noch machen. Übrigens: Beim Hinspiel spielte der HSV noch viel schlechter, auch wenn das Ergebnis etwas milder ausfiel. Da brüllten die Fans aber ihren Verein bis zum Schluß nach vorne, was mir damals größten Respekt abnötigte. 

Ach ja, eines noch: VERDAMMT, WAR DAS GUT! So, fertig.

Aberglaube Tipp HSV : BVB

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Ihr kennt das ja schon. So lange das einzige Spiel im Stadion, bei dem ich diesen Tipp vergessen hatte, auch mein einziges Unentschieden war, werde ich damit auch nicht aufhören. Schon gar nicht, wenn dieses einzige Spiel auch das Auswärtsspiel beim HSV war. Diesmal weiche ich sogar von meinem 2-Tore-Differenz Tipp ab. Ganz verrückt. Dortmund gewinnt klar und in den oberen Plätzen wird's richtig spannend. So.

Zusatztipp: Wenn das Wetter nicht besser wird, bin ich morgen erkältet. ;)

Marco Reus tanzt

Wusstet ihr, dass Marco Reus Ballett tanzt? Nö, ich bis gestern auch nicht. Vielleicht ist es aber auch einfach ein Zeichen fortgeschrittenen Fußballentzugs, wenn zwei BVB-Fans im Ballett eine frappierende Ähnlichkeit eines Tänzers zu Herrn Reus feststellen. Der Marco war aber auch echt der Beste, fast wie beim Fußball. Seine Tänzerversion war etwas muskulöser (na gut, sehr - wenn Männer wüssten, was Tanzen mit ihrer Oberkörpermuskulatur machen kann, würden sie alle Ballett tanzen), viel tätowierter, aber nicht weniger flink bei Fuß.

Apropos. An dieser Stelle habe ich noch gar nicht meine unbändige Freude darüber verkündet, dass ich mir nächste Saison eine Mannschaft mit Marco Reus regelmäßig anschauen darf. Den kleinen Freudentanz im Supermarkt nach Lektüre der Eilmeldung habt ihr ja nicht gesehen. Wenn es noch eines Zeichens dafür bedurfte, dass das Ziel dieses Blogs eigentlich schon erreicht ist, dann war es dieses Tänzchen. Aber keine Sorge, mit bloggen höre ich erst auf, wenn ich die verbliebenenen Punkte auf meiner Anfänger-To Do-Liste abgearbeitet habe. Da auf dieser Liste unter anderem steht "das erste Mal eine Niederlage im Stadion durchleiden" wird das noch eine ganze Weile dauern.

Und jetzt hoffe ich erst einmal, dass Marco Reus zum Rückrundenauftakt dem geschätzten Herbstmeister den Tag vermiest. Auf der To Do-Liste steht nämlich auch noch die Teilnahme an irgendeiner Titelfeier. Ob Reus dabei Ballett tanzt oder dribbelt, ist mir egal - Hauptsache am Ende hat Herr Hoeneß einen roten Kopf. 

Aufwärmen für die Rückrunde

Es ist Mittwoch. Ein Mittwoch, auf den ein Wochenende mit Bundesliga folgt. Endlich wieder. War die Winterpause letztes Jahr kürzer, oder kam sie mir nur kürzer vor, weil es mir damals noch einen Ticken egaler war? Zeit, sich warmzumachen für die Rückrunde. 

Wikipedia sagt: 

Fußball ist eine Ballsportart, bei der zwei Mannschaften mit dem Ziel gegeneinander antreten, mehr Tore als der Gegner zu erzielen und so das Spiel zu gewinnen. 

Manchmal hat Wikipedia ja auch gar keine Ahnung. Fußball ist nun wirklich deutlich mehr als das.

1. Fußball ist eine Ballsportart, die erwachsene Männer mit Ruhrpott-Dialekt zum Nähen bringt. So sind nämlich die ziemlich großartigen "Monstkottchen" entstanden, auf die mich auf Twitter ein Schalke-Fan (!!) hinwies. Einmal bitte hier schauen. Und wer danach noch nen Grund braucht, um auf Twitter oder Facebook Fan von den kleinen Fußballmonstern zu werden, der schaue sich diesen Tipp zum letzten Derby an: 

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2. Fußball ist eine Ballsportart, bei der man mit wenigen wohl dosierten Floskeln wirklich wunderbar Expertentum vorgaukeln kann. Manche machen daraus eine Karriere, wie Wolf-Dieter Poschmann oder Marcel Reif. Andere brauchen das nur für das Sonntagsbierchen in der Fußballkneipe. 11 Freunde hat zum Rückrundenauftakt eine schöne Phrasenschule zusammengestellt. Mal lesen. Vielleicht reicht es für ne Kommentatorenkarriere bei Sky.

3. Fußball ist eine Ballsportart, bei der 22 Spieler auf dem Platz stehen und trotzdem einzelne Spieler die ganz großen Geschichten schreiben. Mein Gänsehaut-Moment der Winterpause: Thierry Henry trifft im FA Cup. Das Siegtor. Im ersten Spiel beim neuen alten Verein. Wahnsinn.

Was freu ich mich wieder auf Fußball.

Mein Fußballjahr 2011

2011 hätte früher in meinem Fußballkalender nicht existiert. Ein ungerades Jahr, kein internationales Turnier, langweilig. Aber diesmal war alles anders. Das ungerade Jahr wurde zum aufregendsten Fußballjahr meines Lebens - dank einer ganzen Reihe von Premieren & Highlights. Wo ich früher nur die einwandfreie EM-Qualifikation und die wunderbare Evolution der Nationalmannschaft und vielleicht noch wichtige Spiele der Frauen-WM gesehen hätte, so waren es diesmal ein paar Spiele mehr. Eigentlich sogar fast alle Spiele. Einschließlich Supercup und Liga Total Cup. Und Testspielen. So ne Sommerpause kann ja auf einmal sehr lang werden, wenn man erstmal Blut geleckt hat.

Endgültig an den Bundesliga-Fußball verloren war ich offenbar schon 2010. Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich schon zu Beginn der Rückrunde letztes Jahr vom Kribbelig sein in der Winterpause schrieb. 2011 gab ich mir dann aber die beste Mühe, 30 Jahre Bundesliga-freies Fansein aufzuholen. Ich war bei meinem ersten Auswärtsspiel, bei meinem ersten Champions League-Spiel, dem ersten Derby, das erste Mal am Millerntor, das erste Mal auf einem Stehplatz, das erste Mal auf der Südtribüne, das erste - und zweite - Mal auf der Pressetribüne, das erste Mal bei einem Länderspiel. Ganze 9mal sah ich ein Fußballstadion von innen - für jemand, der 2010 das erste Mal überhaupt in einem Stadion stand kein schlechter Schnitt. Im Laufe des Jahres wurde der BVB Meister und ich daher auch, auch wenn ich nicht ganz so doll mitfeiern wollte. Am Ende des ersten Jahres Fansein wäre mir das seltsam vorgekommen.

Zu meiner zweiten Saison, ich gebe es gerne zu, brachen die Dämme und ich wusste auf einmal, warum ich nie Bundesliga geschaut hatte. Wenn man Fußball wirklich, wirklich liebt, dann muss man seine Leidenschaft schon irgendwie ein wenig kontrollieren. Und wenn man erstmal Bundesliga schaut, dann schaut man vielleicht auch mal Premier League oder Primera Division - und wo soll das dann enden? Außerdem ist es wirklich furchtbar anstrengend, im DFB-Pokal eine Bundesliga-Mannschaft zu unterstützen. Der ganze Spaß am DFB-Pokal ist ja eigentlich, dass Viertligisten die oberklassigen Teams rauskicken können - macht nur keinen Spaß, wenn das eigene Fanherz für einen Bundesligisten schlägt. Gottseidank konnte ich das letzte Spiel des Jahres wegen eines TV-Ausfalls im Urlaubshotel nicht schauen - ich bin schon in der Champions League um Jahre gealtert. Fußball ist ungesund.

Fleißige Blogleser erinnern sich vielleicht daran, dass ich mehrfach Zeichen des Wahns verbloggt habe (zum Beispiel hier und hier). Es sind einige dazu gekommen. Nicht unbedingt nur das Sky-Abo, obwohl das schon ziemlich bekloppt ist. Eher solche Dinge wie vorhin, als ich mich eine geschlagene halbe Stunde wie ein Kind über den Reus-Wechsel noch Dortmund freute. Na gut, ich lüge, ich freu mich immer noch. Das wird ein großartiges Fußballjahr - mit Reus, dem BVB, der deutschen Nationalmannschaft und mindestens zwei Titeln.

 

 

Blinder Fußballoptimismus

Egal ob Twitter, Facebook oder meine Dortmund-lastige Blogroll - mir schlägt am heutigen Nikolaus blinder Optimismus von BVB-Fans entgegen. Offenbar glaubt man noch an den Weihnachtsmann. Ist aber nicht schlimm, ich auch. Ich werde so lange daran glauben, dass Dortmund ins Achtelfinale der Champions League oder mindestens in die Europa League kommt, bis beide Spiele heute abgepfiffen sind.

Ich bekomme in diesem Jahr einen wirklich besonderen Adventskalender. Südtribünen-Premieren-Beschaffer Till (er mochte diese Bezeichnung in einem früheren Blogpost so sehr, dass ich sie ab jetzt einfach immer wieder benutzen werde) schickt mir jeden Tag ein kleines Stück BVB-Historie. Ich habe nach 6 Dezember-Tagen schon richtig viel gelernt, bis Weihnachten kann ich euch wahrscheinlich jeden Sieg seit 1909 runterbeten. Heute war das hier in meinem Adventskalender:

Ich wünsche mir sehr, dass sich irgendeiner der Jungs auf dem Platz in Dortmund heute ähnlich unsterblich macht. Und wenn nicht, dann haben sie zumindest in der Champions League gezeigt, wo noch Probleme sind, an denen Klopp arbeiten kann. Und dass es auch mal ergebnisorientiert geht (beim zweiten Piräus-Spiel). Und mal ehrlich, das zweite Arsenal-Spiel, das war wirklich einfach nur noch Pech. Nächstes Jahr läuft's dann eben besser.